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Mode ist Leben
 

Mode wird auf der Straße gemacht

Die Luft knistert vor Spannung. Aufgeregtes Getuschel und Hektik hinter der Bühne, vorn am Laufsteg balgen sich die Fotografen dezent um die allerletzten Zentimeter Raum, während die Gäste noch damit beschäftigt sind, sich über die Aufmachung der anderen Besucher zu mokieren. Dann löst sich endlich die Spannung, die Scheinwerfer gehen an, Musik ertönt und das erste Model rauscht über den Laufsteg. Showtime für eine der größten und wichtigsten Industrien der Welt – für die Mode.

Mindestens zweimal im Jahr wiederholt sich der "Zirkus", wie Brancheninsider selbst den Reigen der Modenschauen nennen, um neue Kollektionen und frische Trends für die nächste Saison vorzustellen. Was einem ausgewählten Publikum auf den Laufstegen in Paris, Mailand. New York und Berlin gezeigt wird, das findet sich allerdings nur höchst selten später in den Läden wieder. Nach den Schauen, wenn die Einkäufer sich die Kollektion noch einmal in Ruhe in den Ausstellungsräumen ansehen, werden die Modelle auf ihre Verkaufbarkeit überprüft und in aller Regel noch erheblich abgeändert. Erst dann gehen sie in die Produktion.

Auf dem Laufsteg wollen die Designer ihre Kreativität beweisen und sie wollen zeigen, woher in der Mode gerade der Wind weht. Es gibt in der Modewelt nichts „Schlimmeres“, als die Trends von gestern. Was im letzten Jahr in war, kann in diesem Jahr schon wieder vollkommen out sein und manche Must-Haves dürfen in diesem Jahr nur noch im Kleiderschrank ihr Dasein fristen. Denn Mode, das ist immer Zeitgeist, das ist immer das Aufspüren von Themen, die die Gesellschaft gerade beschäftigt. Das kann zum Beispiel sogar soweit gehen, dass es Mode wird, quasi gar nichts zu tragen – weil die Gesellschaft sich von Prüderie befreien will. Das ginge in letzter Konsequenz natürlich zu weit und würde sowohl die Moral als auch die Mode-Industrie völlig untergraben. Also schaffen die Designer mit durchsichtigen Blusen und Kleidern einen tragbaren Kompromiss; zuletzt so geschehen in den siebziger Jahren.

Die Trends, die in der Gesellschaft unterschwellig entstehen, wollen in die Gesellschaft zurück und dort über einen bestimmten Kleidungsstil offen wahrgenommen und gelebt werden. Die Designer fungieren als kreative Mittelsmänner, die alles tun, um diese Trends möglichst deutlich (und auch möglichst schön) umzusetzen. Hilfe erhalten sie dabei von sogenannten Trendscouts, die in den Metropolen dieser Welt unterwegs sind und vor allem den Frauen genauestens nachschauen. Wenn dann in Tokio, New York und Melbourne mit einem Mal junge Mädchen anfangen, alle ein Haarband zu tragen – dann wird daraus ganz schnell ein neuer Trend.

Einen ganz ähnlichen Effekt können aber auch große gesellschaftliche oder mediale Ereignisse haben. Hollywood-Filme besitzen die Kraft, einen solchen Einfluss auszuüben, international bedeutsame Preisverleihungen und bedeutende Kunstausstellungen. So war es etwa eine Retrospektive der Malerin Frida Kahlo, die mit ihren feurigen Motiven einen ganzen Sommer lang die farbenfrohen Muster ganzer Kollektionen inspirierte. Und vor allem Oscar-Verleihungen oder Festivals geben Trends vor, die am nächsten Tag bereits ausverkauft sein können. Wer trendy sein will, muss mit der Zeit gehen und schnell sein. Es gilt, stets aufmerksam zu sein und die Garderobe individuell anzupassen, damit diese zum Highlight und nicht zum „no-go“ wird.

 
 
 
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